Deutschland macht mobil: Einsichten in die hiesige Umzugsstatistik

Daten der Umzugsstudie 2009: 4,8 Millionen Haushalte wechseln jährlich in Deutschland ihren Wohnort - das entspricht 8.415.032 Personen mit einem Gesamtjahreseinkommen von 154,9 Milliarden Euro. Schätzungsweise 38,7 Milliarden Euro fließen dabei in umzugsnahe Aufwendungen wie Einrichtung, Energie, Umzugslogistik und Telekommunikation. Ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor, doch bisher blieben umziehenden Personen weitestgehend „unerkannt“. Vorausgehende Studien erforschten die deutschen Wohnungswechsler nur lückenhaft. Insbesondere das Konsumverhalten der Umziehenden blieb dabei unbeleuchtet. Mit der von der Umzug AG initiierten Umzugsstudie ist es nun erstmals möglich, detaillierte Einblicke in den hiesigen Umzugsmarkt zu gewinnen.

Umzugsstatistik 2014

Problematik bisheriger Studien zum deutschen Umzugsmarkt

Bisherige Erkenntnisse rund um Zahlen und Fakten deutscher Wohnungswechsler basierten vorwiegend auf den Daten des Statistischen Bundesamtes. Diese berücksichtigen allerdings nur die sogenannten „Wanderungen“, also Haushalte, die in eine neue Stadt oder Gemeinde ziehen. Der weitaus größte Teil deutscher Wohnungswechsel vollzieht sich jedoch innerhalb des Nahbereichs. So geben laut der Umzugsstudie 52 Prozent an, einen potenziellen Umzug wahrscheinlich in derselben Stadt auszuführen, weitere 20 Prozent würden einen Umzug in der näheren Umgebung in Betracht ziehen. Lediglich 18 Prozent spielen mit dem Gedanken, ganz woanders Fuss zu fassen.

Eine weitere Problematik vorausgehender Erhebungsmethoden stellte die lückenhafte Einbeziehung hochmobiler Einpersonenhaushalte sowie ausländischer Mitbürger mit dürftigen Deutschkenntnissen dar. Während die erste Gruppe durch schlechte Erreichbarkeit häufig nicht erfasst werden kann, wird die zweite Gruppe durch ihre mangelnde Sprachkenntnis oftmals von vorneherein von Befragungen ausgeschlossen. Nach Erkenntnissen der Innerstädtischen Raumbeobachtung (IRB) sowie Repräsentativstatistiken stellen jedoch gerade diese beiden Bevölkerungsgruppen einen überdurchschnittlich hohen Anteil der Wohnungswechsler dar. Erhebungsmethodik der Umzugsstatistik.

Die Umzugsstudie der Umzug AG umgeht diese Problematiken zum einen mithilfe der deskriptiven (beschreibenden) Statistik. Zum anderen wurde für die Studie der Ansatz gewählt, von registrierten Wohnungswechseln auf Haushalte zu schließen und diese wiederum anhand von Haushaltsgrößen in Personen umzurechnen. Durch diese Vorgehensweise konnte gewährleistet werden, dass die Ergebnisse der Hochrechnungen der tatsächlichen Anzahl deutscher Wohnungswechsler – inkl. Umzügler innerhalb derselben Gemeinde, ausländischer und hochmobiler Haushalte – so nahe wie möglich kommt.

Erkenntnisse der Umzugsstatistik aus Marketingsicht

Neben der bereits erwähnten hohen Anzahl umziehender Personen ist vor allem das große wirtschaftliche Potential der Wohnungswechsler interessant. Aus Marketingsicht wurde dieses bisher kaum genutzt. So verfügen die Umzügler nicht nur über eine große Gesamtkaufkraft, zudem handelt es sich bei ihrer Mehrheit um eine sonst hart umkämpfte demografische Zielgruppe: 20,6 Millionen Haushaltsvorstände gehören der Altersgruppe zwischen 20-40 Jahren an. Die durchschnittliche Haushaltsgröße beträgt dabei 1,75 Personen. Eben jene Gruppe ist bereits unter regulären Umständen für ihre erhöhte Investitionsbereitschaft bekannt. Eine Umzugssituation steigert diese um ein Vielfaches. Insbesondere die Bereitwilligkeit für Neuanschaffungen im Bereich Einrichtung, Überlegungen zum Anbieterwechsel und ein generell erhöhter Informations- und Servicebedarf kennzeichnen die Lage von Wohnungswechslern.

Demografischen Daten im Überblick

  • 4,8 Millionen Haushalte wechseln jährlich ihren Wohnraum, das entspricht 8.415.032 Personen.
  • Die durchschnittliche Umzugs-Haushaltsgröße beträgt 1,75 Personen. 35,4 Prozent sind 1-Personen-Haushalte, 27,8 Prozent 2-Personen-Haushalte und nur 16 Prozent 4-und-mehr-Personenhaushalte.
  • Die überwiegende Mehrheit aller umziehenden Personen ist der Altersgruppe zwischen 20-40 Jahren zuzuordnen (43 Prozent). Weitere 25 Prozent gehören der Altersgruppe zwischen 40-49 Jahren an, lediglich 5 Prozent sind jünger als 20 Jahre.
  • Das Jahresgesamteinkommen umziehender Haushalte beträgt ca. 154,9 Milliarden Euro.
  • 52 Prozent halten einen Umzug in derselben Stadt oder Gemeinde am wahrscheinlichsten, 20 Prozent innerhalb der näheren Umgebung und 28 Prozent ziehen einen vollkommenen Ortswechsel in Betracht.

Erkenntnisse zum Konsumverhalten im Überblick

  • Die überwiegende Mehrheit von 53 Prozent würde einen Umzug im Zeitraum von ein bis drei Monaten im Voraus planen.
  • Bis auf den Winter, in dem lediglich neun Prozent aller Wohnungswechsel stattfinden, gibt es keine jahreszeitlichen Beschränkungen oder Spitzen im Umzugsverhalten.
  • Neben persönlichen Kontakten ist das Internet die wichtigste Informationsquelle für die Umzugsplanung.
  • 12 Millionen Personen sind bereit, in Umzugsdienstleistungen zu investieren. Diese Bereitschaft steigt mit wachsender Umzugserfahrung und ist vor allem im Bereich Renovierungsarbeiten und Logistik anzusiedeln.
  • Die Mehrheit (66 Prozent) der Wohnungswechsler gab für den letzten Umzug ohne Folgekosten bis zu 1.000 Euro aus. Ein Viertel (28 Prozent) zwischen 1.000 und 5.000 Euro.
  • Hauptanbieterwechsel im Zuge eines Umzugs vollziehen sich im Bereich Strom (35 Prozent), Wasser (25 Prozent), Festnetz (22 Prozent) sowie TV (20 Prozent).
  • Der präferierte Kontaktweg zu Unternehmen und Dienstleistern stellt die E-Mail (41 Prozent) und das Telefon (35 Prozent) dar.
  • 51 Prozent planen den nächsten Umzug in ein Mietobjekt, in der Altersgruppe unter 30-Jahren liegt die Quote gar bei 70 Prozent. Lediglich 20 Prozent planen den Kauf von Eigentum, wobei hier vor allem die Altersgruppe zwischen 30-49 Jahren vertreten ist. 30 Prozent sind sich diesbezüglich unschlüssig.

Umzugsstatistik Deutschland Daten

Die vorliegenden Einblicke machen deutlich, welches wirtschaftliche Potential – nicht nur aus Marketingsicht – der deutsche Umzugsmarkt birgt. Insbesondere da im Gegensatz zu vielen anderen Märkten ein stetiger Wachstum vorauszusehen ist. Mobilität gewinnt angesichts der Globalisierung und Flexibilisierung des Arbeitsmarktes zunehmend an Bedeutung. In gewisser Weise ist sie bereits Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Teilhaben am gesellschaftlichen Leben. Hiervon können neben Umzugsdienstleistern vor allem Telekommunikationsanbieter, Energieversorger und Finanzdienstleister profitieren. Aber auch Informations- und Servicedienstleister im Allgemeinen haben durch gezielte Marketingmaßnahmen und Anpassung an die Bedürfnisse von Wohnungswechslern gute Chancen zur Kundengewinnung und -bindung. Der deutsche Umzugsmarkt ist in dieser Hinsicht bisher vergleichsweise unerschlossen.